kurs 11 2022 | VorausBlick

Grüner Wasserstoff im Fokus

Energieträger der Zukunft

Binnenhäfen sind von herausragender Bedeutung für die Versorgungssicherheit im Energiebereich. Das gilt seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine umso mehr. Und sie verfügen auch jetzt bereits über die Flexibilität und die Umschlag- und Lagerinfrastruktur, die für die Energieträger der Zukunft gebraucht werden. Statt Kohle und Heizöl lässt sich etwa auch gebundener grüner Wasserstoff mit der LOHC-Technologie (englisch: liquid organic hydrogen carriers, flüssige organische Wasserstoffträger) in großen Mengen per Schiff und Bahn transportieren und in den bereits heute in den Binnenhäfen vorhandenen Tanks lagern (­siehe Artikel im Magazin kurs bayernhafen 12-2021). Neben LOHC gibt es natürlich auch andere Technologien wie Ammoniak oder Methanol, die von bayernhafen gleichermaßen beobachtet werden. Mit der Zunahme alternativer Energien könnte der Bedarf noch deutlich steigen.

Grüner Wasserstoff wird als einer der Hoffnungsträger gegen den Klimawandel gehandelt und ist bereits heute ein unverzichtbarer Energieträger für die globalen Volkswirtschaften. Das wurde auch auf der 3. HYDROGEN DIALOGUE Summit & Expo deutlich, die am 21. und 22. September 2022 im Messezentrum Nürnberg stattfand. Der länderübergreifenden Zusammenarbeit zwischen Erzeugern und Anwendern kommt dabei eine Schlüsselrolle zu, lautete eine der zentralen Erkenntnisse der Veranstaltung mit über 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie mehr als 70 hochkarätigen Vorträgen, Talks und Podiumsdiskussionen.

Eine aktuelle Studie der EU-Kommission, die auf der Veranstaltung in Nürnberg vorgestellt wurde, zeigt ein Energie-Potenzial durch Wasserstoff auf, das 15-mal so hoch ist wie der derzeitige ­weltweite Energiebedarf. Zudem sorgt das Potenzial für mehr Gerechtigkeit durch Diversifizierung, da die meisten Länder mehr oder weniger Zugang zu erneuerbaren Energien haben. Auch wenn der Markt derzeit noch nicht so weit ist, diese Potenziale zu heben: Die Geschwindigkeit des Wandels hin zu einer Welt, die viel stärker auf Wasserstoff und Strom setzt, wird höher.

„Umso wichtiger ist es heute, bestehende Logistik­flächen vor einer Umnutzung zu schützen und die planungsrechtlichen Grundlagen zu schaffen, um den Häfen ihre Flexibilität und den Raum für künftige Entwicklungen – auch im Energiebereich – zu erhalten“, so bayernhafen-Geschäftsführer Joachim Zimmermann, der an der Podiumsdiskussion „Häfen: Schnittstelle für Import, Export, Lagerung und Distribution von Wasserstoff“ teilnahm.