kurs 12 2021 | TitelThema

Hafen ist Energie

… und garantiert Versorgungssicherheit heute und in Zukunft

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Die Versorgung mit Energie gehört zum Fundament unserer Volkswirtschaft. In allen drei Sektoren Strom, Wärme & Kälte und Verkehr ist Versorgungssicherheit das höchste Gut. Binnenhäfen tragen zur Versorgungssicherheit ganz wesentlich bei – und dies in vielfältiger Hinsicht.

So fußte schon die Gründung vieler Binnenhäfen auf der Notwendigkeit, Brennstoffe bereitzustellen, umzuschlagen und weiterzuleiten. Ein Beispiel dafür ist der bayernhafen Aschaffenburg, der dieses Jahr seinen 100sten Geburtstag feiert. Bayern hatte seinerzeit entschieden, die Kohle für die Bayerische Staatsbahn auf dem kostengünstigen Wasserweg vom Ruhrgebiet bis zu einer bayerischen Umschlagstelle zu beziehen und per Bahn weiter zu verteilen. Das war der Startschuss für den Handels- und Industriehafen Aschaffenburg, der am 3. November 1921 eingeweiht wurde. Bis zum 2. Weltkrieg schlug der Hafen Aschaffenburg dann in erster Linie Kohle für die Bayerische Staatsbahn um. Von 1952 bis 2000 produzierte Bayernwerk dann in seinem Kraftwerk im Hafen Aschaffenburg aus Kohle Strom.
Heute ist der bayernhafen Aschaffenburg auch stark durch im Hafen ansiedelnde Energieversorger geprägt: So bekommt die BayWa per Tankschiff Heizöl und Dieselkraftstoff für ihr Tanklager zur Weiterverteilung an private Haushalte sowie die Land- und Bauwirtschaft. Eine ganz ähnliche Logistikkette haben die ebenfalls im bayernhafen Aschaffenburg ansiedelnden Unternehmen Adolf ROTH und Erik Walther sowie, im bayernhafen Nürnberg, die TanQuid GmbH & Co. KG Tanklager Nürnberg, die einen Bahnanschluss zur Belieferung ihrer Tanklager nutzt.

Tanklager garantieren Versorgungssicherheit

Bereits im Jahr 1906 wurde in Regensburg beim Bau des Westhafens für die feuergefährlichen Ölprodukte ein separates Umschlagbecken mit einem eigenen Lagerbereich gebaut. Im Juni 1910 folgte die Einweihung des „Petroleumhafens“, heute „Ölhafen“ genannt. Dort betreibt die Varo Energy Tankstorage GmbH eines ihrer bundesweit über 20 Tanklager-Standorte: Binnenschiffe und Ganzzüge lieferten hier 2020 fast 400.000 m3 Heizöl und Kraftstoffe an: für die Heizöl-­Versorgung von über 56.000 Haushalten sowie die Kraftstoff-Versorgung von Pkws an Tankstellen in der Region, Binnenschiffen und der Landwirtschaft. (siehe Grafik rechts)

So garantieren Tanklager an bayernhafen Standorten den Endkunden heute und ganz sicher auch noch viele Jahre in der Zukunft ein warmes Zuhause und Mobilität durch getankte Fahrzeuge – und dies 24 h am Tag, sieben Tage die Woche und 365 Tage im Jahr.

„Die Versorgungssicherheit bei Energie erfordert eine perfekt funktionierende Infrastruktur – im Bereich der fossilen wie der regenerativen Energieträger“, sagt bayernhafen Geschäftsführer Joachim Zimmermann, „wir bieten an unseren bayernhafen Standorten wesentliche Elemente dieser Infrastruktur und leisten damit einen großen Beitrag dazu, dass Energie dorthin gelangt, wo sie gebraucht wird. Hafen hat Energie in seiner DNA – vor, mit und ganz sicher auch nach der Energiewende.“

Hafen hat Energie in seiner DNA – vor, mit und ganz sicher auch nach der Energiewende.

bayernhafen-Geschäftsführer Joachim Zimmermann

2022 hat ein weiterer bayernhafen-Standort Jubiläum: Der bayernhafen Nürnberg wird 50 Jahre alt. 1972 wurde er eröffnet, als Teil der transeuropäischen Wasserstraße zwischen Nordsee und Schwarzem Meer. Eine Jahrhundert-Idee, die in Nürnberg mit Weitsicht angepackt und realisiert wurde. Der Freistaat Bayern und die Stadt Nürnberg legten mit der Unterzeichnung des Hafenvertrags am 11. November 1966 den Grundstein dafür. Über 330 ha Hafenfläche, das war nicht Klein-Klein, das war der große Wurf, von Anfang an. Die Haltung der Menschen war auch hier: ‚Wir wollen und wir brauchen diesen Hafen.‘ Nur deshalb konnte sich der bayernhafen Nürnberg zu einem der wichtigsten Güterverkehrs- und Logistikzentren Europas entwickeln. Nur deshalb konnten sich auf der bereitgestellten Fläche Logistik-Unternehmen in großer Zahl ansiedeln. Vom trimodalen Containerterminal profitieren Unternehmen in der gesamten Metropolregion Nürnberg im Import wie im Export.

Neue Lieferketten qua Energiewende

Binnenhäfen sind Knotenpunkte der Energiewirtschaft – dies prädestiniert sie auch für logistische Ketten von Energieträgern, die im Rahmen der Energiewende neu auf den Markt kommen. Ein Beispiel dafür ist grüner Wasserstoff, der mit dem Projekt “Green Hydrogen @ Blue Danube“ perspektivisch in Südosteuropa produziert und donauaufwärts per Tankschiff bis nach Bayern importiert werden soll (siehe GüterWege Seite 8, FachMeinung Seite 12 und wissenschaftliches Statement Seite 13). An bayernhafen Standorten mit Tanklagern wie in Regensburg, Nürnberg und Aschaffenburg könnte in Zukunft dann gebundener Wasserstoff in großen Mengen auch per Schiff transportiert werden.

„Häfen werden immer Energie-Hubs sein“

„Die Umschlags- und Tanklager-Infrastruktur ist bei uns vorhanden“, sagt Joachim Zimmermann, „sie lässt sich flexibel auch für Energieträger der Zukunft wie den Wasserstoff nutzen. Voraussetzung dafür ist eine planungsrechtliche Grundlage. Denn auch in Zukunft muss Platz für Lager und Tanklager sein, in denen Energie gespeichert wird. Planungsrechtlich brauchen wir Freiraum für künftige Entwicklungen, denn die Diskussion um die zukünftigen Bausteine der Energieversorgung wird ergebnisoffen geführt. Wir wissen heute noch nicht, welche Energieträger sich in Zukunft durchsetzen werden. Eines wissen wir aber sicher: Häfen werden immer Energie-Hubs sein.“

Fossile und regenerative Energieträger – bayernhafen sichert die Versorgung

Wer über Energie spricht, ist sofort auch beim Thema „Energiewende“. Natürlich ist dies längst an den bayernhafen-Standorten angekommen. Denn Hafen ist Spiegel­bild wirtschaftlicher Entwicklung.

bayernhafen ist daher ganz maßgeblich auch Standort für den gesamten Komplex erneuerbarer Energien:

– durch Umschlag und Lagerung nachwachsender Energieträger
– durch den Umschlag von Komponenten zur Erzeugung CO2-neutraler Energie
– und genauso durch energiewirtschaftliche Anlagen seiner Ansiedler.

Im Folgenden einige Beispiele:

Strom-Tankstellen für Flusskreuzfahrtschiffe

Schwimmende Hotels sind energiehungrig, denn sie müssen Küche, Wäscherei, Beleuchtung und Co. für 120 Leute mit Strom versorgen. Bisher wird dieser Strom aus Schiffsdiesel generiert, so auch bei den im bayernhafen Bamberg und im bayernhafen Passau anlegenden Flusskreuzfahrtschiffen. Das ändert sich jetzt, denn Bamberg bekommt eine Landstromanlage – 2 Mio. Euro Investitionskosten sind von bayernhafen und dem Freistaat Bayern zu tragen, der Bund beteiligt sich mit rund 1 Million Euro Bundesfinanzhilfen.

bayernhafen errichtet sieben Landstrom-Ladesäulen. Während ihrer Liegezeit im Hafenbecken werden die Schiffe dann mit Landstrom versorgt; dies reduziert deutlich die Belastung von Stick- und Schwefeloxiden, Feinstaub und CO2-Emissionen sowie von Lärm und Vibrationen. Auch für den bayernhafen Passau ist die Errichtung einer Landstromanlage geplant.

Gemeinsam mit unseren Kunden stehen wir bereit, die Energie-Zukunft mitzugestalten.

bayernhafen-Geschäftsführer Joachim Zimmermann

Elektrifizierte Hafenbahnhöfe

Zur Energieeffizienz in Europa gehören leistungsstarke, nachhaltige und effizient miteinander verbundene transeuropäische Netze in den
Bereichen Verkehr, Energie und digitale Dienstleistungen. Dafür hat die EU das Förderprogramm „­Connecting Europe Facility“ (CEF) aufgelegt. Im Rahmen dieses Programms wurde ein weiterer Teil des Hafenbahnhofs im bayernhafen Regensburg elektrifiziert. Damit leistet bayernhafen auch einen wichtigen Beitrag zur Energieeffizienz.

Equipment für die Energiewende reist auf der Wasserstraße

Die Energiewende braucht leistungsfähige Übertragungsnetze – und sie braucht Equipment, um diese Energie zu nutzen. Für den Umschlag dieses Equipments stehen die bayernhafen Standorte mit ihrer Schwergut-Kompetenz parat. So werden beispielsweise Windkraftanlagen für Südosteuropa, Trafos für Bayerns Grünstrom-Drehkreuz – das TenneT-Umspannwerk in Würgau – oder Kabeltrommeln umgeschlagen. Sicher, einfach und umweltfreundlich werden die großen und schweren Güter auf der Langstrecke per Binnenschiff transportiert. Den reibungslosen Wechsel zwischen den Verkehrsträgern ermöglichen die Binnenhäfen mit der passenden Infrastruktur und Erreichbarkeit. So erfolgt auf der Straße nur der Transport vom Werk zum Hafen und vom Zielhafen zum Endkunden.

Logistikimmobilien & Solardächer

Können die Dächer von Lagerhallen oder Verteilzentren Standorte für Photovoltaik sein? Joachim Zimmermann weist hier auf einige limitierende Faktoren hin: „Leichtbauhallen, wie sie in der Logistik auch zum Einsatz kommen, sind für Solardächer statisch nicht immer geeignet. Eine Solarpflicht halte ich daher für nicht zielführend. Zudem kollidieren PV-Anlagen auch mit Auflagen für Dachbegrünung und Brandschutz. Hier müssen jeweils gebäudespezifische Lösungen gefunden werden.“

Auch bayernhafen-Kunden gestalten aktiv die Energiewende

So geht der Weg zum Biodiesel bei der ­Biosyntec GmbH im bayernhafen Regensburg über alte Speise-Öle und -fette. Aus diesen Rohstoffen kann das Unternehmen wöchentlich bis zu 1,2 Millionen Liter Biodiesel produzieren. Zur Treibhausgas-Einsparung liegen dem Unternehmen Zertifizierungen nach internationalen Standards vor. Biosyntec liefert den hergestellten Biodiesel exklusiv zu Kunden in der Schweiz. 2021 eröffnete Biosyntec im bayernhafen Bamberg ein Tanklager für den Handel mit Biodiesel: Dieser kommt mit dem Zug in Tankwägen aus Osteuropa.

Hafen ist immer in Aktion. Dafür sorgen Industrie-, Handels- und Logistikunternehmen, Verkehrsträger und all die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die täglich Güterumschlag, Lagerung und Verteilung verantworten. Im Bild u.a. ein Schwergutumschlag im November 2021 im bayernhafen Regensburg.

Seit Juli 2020 können Lkw im bayernhafen Nürnberg auch den umweltfreundlichen Kraftstoff LNG (liquefied natural gas) tanken. Betrieben wird die LNG-Tankstelle vom Neumarkter Energielieferanten Rödl energie und der Münchener BayWa Mobility Solutions GmbH. Die Akzeptanz war von Anfang an hoch, so hoch wie in kaum einer anderen LNG-Tankstelle in Deutschland. Daher erweiterten die beiden Betreiber 2021 die LNG-Tankstelle um eine zweite Zapfsäule. Das dauerhaft hohe Interesse am Flüssigerdgas im bayernhafen Nürnberg kann dadurch noch besser gemanagt werden.

Seit Juni 2020 betreibt die familiengeführte MaierKorduletsch Gruppe mit Hauptsitz in Vils­hofen ein Holzpellet-Lager im bayernhafen Passau, mit Platz für 4.500 t Holzpellets (siehe Erfolgs­Geschichte Seite 10).

Kurzum: „Gemeinsam mit unseren Kunden, den an den sechs bayernhafen Standorten ansässigen Unternehmen, stehen wir bereit, die Energie-Zukunft mitzugestalten. Eine Langstrecke, die uns alle fordert – und die viel Mut und Weitsicht erfordert.“