kurs 07 2021 | SchwerGut

Trafos für Bayerns Grünstrom-Drehkreuz

Via bayernhafen Bamberg zum TenneT-Umspannwerk Würgau

Die Energiewende von fossilen zu regenerativen Energiequellen erfordert das richtige Equipment am richtigen Ort. So braucht das vom Bayreuther Netzbetreiber TenneT betriebene Umspannwerk in Würgau / Landkreis Bamberg vier sogenannte Phasenschiebertransformatoren, die jeweils 940 Tonnen Betriebsgewicht auf die Waage bringen.

Diese Mega-Schwergewichte geben TenneT die Möglichkeit, zwei bestehende Nord-Süd-Stromkreise zwischen den Umspannwerken Redwitz im Landkreis Lichtenfels und Würgau sowie Raiters­aich im Landkreis Fürth bestmöglich zu nutzen.

Wie kamen diese Schwergewichte nun nach Würgau? Die Antwort ist: multimodal. Den ersten Teil – zwei Phasenschiebertransformatoren, bestehend aus jeweils zwei bis zu 326 Tonnen schweren Trafokesseln – managten die Transportspezialisten der Firma Kahl und Jansen GmbH, International Logistics and Engineering, aus Moers.

Etappe 1 vom Hersteller Siemens Energy und dessen Werk im österreichischen Weiz zum Donauhafen Linz übernahm die Bahn. Für Etappe 2 zum bayernhafen Bamberg kamen zwei Binnenschiffe von Rhenus Logistics zum Einsatz, die die rund 450 Flusskilometer auf Donau und Main-Donau-Kanal in weniger als einer Woche absolvierten. Die Fa. Kahl und Jansen übernahm dann auch den Umschlag per Raupenkran in Bamberg vom Schiff aufs Spezialfahrzeug für Phase 3, den Straßentransport. Das Team im bayernhafen Bamberg bereitete die benötigte Fläche am Kai extra für den Schwergutumschlag vor, inklusive der Fläche für die Zwischenlagerung und für den Aufbau des Raupenkrans.

Etappe 3 wurde dann richtig aufwändig: Denn jetzt ging’s rund 25 km auf der Straße über den anspruchsvollen Würgauer Berg zum Umspannwerk. Aufgrund der Größe besteht jeder Trafo aus zwei Trafokesseln, die einzeln ein Transportgewicht von bis zu 326 Tonnen aufweisen. Für jeden dieser Kessel wurde ein separater zweitägiger Schwerlasttransport durchgeführt. Im ersten Teilstück fährt ein 112,5 Meter (!) langer Transportzug mittels sogenannter Seitenträgerbrücke einen Kessel bis zum Scheßlitzer Stadtteil Straßgiech: Die 757 Tonnen Gesamtzuggewicht sind dabei auf 66 (!) Achsen verteilt. Fürs zweite Teilstück wurde dann auf einen selbstfahrenden, das heißt vom Fahrer ferngesteuerten Tieflader, umgeladen – dieser war nur noch 37 Meter lang, um die Serpentinen des Würgauer Bergs zu knacken. Das Gesamtgewicht von 444 Tonnen verteilte sich jetzt auf 22 ­Achsen. Jeder der Schwertransporte war zwei Nächte unterwegs, inklusive Autobahn- und Straßen-Sperrungen, Kreisel-Überfahrung und Begleitung durch Polizei und Sperrfahrzeugen. Ein Vorausteam montierte die Ampelanlagen ab, nahm Straßenschilder und Pfosten heraus und baute anschließend alles wieder zurück.

„Wasser trägt mit Leichtigkeit auch schwerste Lasten“, sagt bayernhafen Geschäftsführer Joachim Zimmermann, „was fürs Binnenschiff ein Leichtes war, war eine große Herausforderung für den Straßentransport. Auf der Schwergut-Langstrecke ist das Binnenschiff allen anderen Verkehrsträgern überlegen. Einen reibungslosen Wechsel zwischen den Verkehrsträgern ermöglichen wir in unseren Binnenhäfen mit der passenden Infrastruktur – auch bei anspruchsvollen Gütern. Durch dieses Zusammenspiel entstehen ökonomisch wie ökologisch gelungene Logistikketten.“

Die zweiten vier Trafokessel werden von den Schwerlastexperten der Firma Kübler im Juli und August per Binnenschiff zum bayernhafen Nürnberg transportiert und von dort per Bahn nach Lichtenfels. Hier erfolgt der Straßentransport dann über das westliche Obermainische Hügelland nach Würgau. Also auch wieder multimodal!