Pressemitteilung
Kombinierter Verkehr als Alternative
zum sektoralen Fahrverbot in Tirol
100 Experten diskutieren beim Logistikdialog in Regensburg
Regensburg, 9. Oktober – Wer das sektorale Fahrverbot in Tirol umgehen will, kommt am Kombinierten Verkehr nicht vorbei. Darin waren sich Vertreter aus Politik und Transportbranche beim Logistikdialog in Regensburg einig. Mehr als 100 Teilnehmer diskutierten wirksame Alternativen zum Straßentransport über die Alpen. Eingeladen zu der Informationsveranstaltung mit dem Titel ”Kombiniert fahren – Antwort auf das Fahrverbot?” hatten die bayernhafen Gruppe, Bayern Innovativ und das Logistik-Kompetenz-Zentrum Prien am Chiemsee (LKZ).
Auf die Kritik der Spediteure und Transporteure ging Leo Satzinger ein und erläuterte das sektorale Fahrverbot, mit dem die Tiroler Landesregierung den Schwerlastverkehr Schritt für Schritt verlagern will, um so Anwohner und Umwelt in der Alpenregion zu schützen: ”Um den europäischen Luftqualitätszielen zu entsprechen, hat das Land Tirol ein Bündel von verkehrslenkenden Maßnahmen erlassen. Das sektorale Fahrverbot ist Teil dieses Maßnahmenbündels”, sagte der Leiter der Abteilung Verkehrsplanung beim Amt der Tiroler Landesregierung.
Die Chancen, mit dem aktuellen sektoralen Fahrverbot vor Gericht zu bestehen, hält Christian Schimanofsky vom österreichischen Verkehrsministerium für gut, nachdem der erste Versuch 2005 noch vor dem Europäischen Gerichtshof wegen mangelnder Alternativen zum Straßenverkehr und zu kurzer Umsetzungsfrist gescheitert war. ”Aus juristischer Sicht geht es bei der Frage, ob das sektorale Fahrverbot eine geeignete und erforderliche verkehrspolitische Maßnahme zur Imissionsreduktion und Verkehrsverlagerung darstellt, um eine Abwägung der gemeinschaftsrechtlichen Zielsetzungen des Schutzes von Umwelt und Gesundheit auf der einen und des ungehinderten freien Warenverkehrs auf der anderen Seite”, so Schimanofsky.
Zum 1. Juli trat die dritte Stufe des sektoralen Fahrverbots in Kraft, die den Transport von Stahl und Fliesen über die Inntalautobahn untersagt. Von Mitte kommenden Jahres an fallen auch Nichteisen- und Eisenerze sowie Marmor unter das Verbot. Entsprechend groß ist die Nachfrage nach Alternativen auf der Schiene. Eine davon stellt die Rollende Landstraße (RoLa) dar, die seit Jahren starke Zuwächse verzeichne, so Ökombi-Geschäftsführer Franz Dirnbauer: ”Der aktuelle Marktanteil am Brenner-Transit schwerer Lkw liegt bereits bei 16 Prozent.” Tendenz: weiter steigend.
Zusätzliche Steigerungen im Kombinierten Verkehr (KV) erwartet auch Karl Fischer vom LKZ. Im Projekt Transalpine Transport Architects (TRANSITECTS) haben sich beispielsweise zahlreiche Partner aus Italien, Deutschland, Österreich und Slowenien zusammengeschlossen, um länderübergreifend nachhaltige Lösungen für den alpenquerenden Verkehr zu entwickeln. Dazu sollen zunächst Pilotzüge im begleiteten und unbegleiteten KV weitere Potenziale auf neuen Relationen erschließen sowie neue Terminalangebote für Verlagerung sorgen.
Für die Verkehrsverlagerung von der Straße auf die Schiene spricht auch die anhaltende Diskussion um Nachhaltigkeit in der Transportkette. ”Spediteure und Transportunternehmer werden zukünftig mehr und mehr gefordert sein, der verladenden Industrie Logistikkonzepte mit ökologischem Mehrwert anzubieten”, zeigte sich Heiko Krebs, Produktionsleiter bei Kombiverkehr in Frankfurt, überzeugt. Wer kombiniere, verursache im Schnitt zwei Drittel weniger CO2-Emissionen als im reinen Straßenverkehr.
Auch nach Ansicht von Alexander Ochs, Prokurist der bayernhafen Gruppe, rücken ökologische Anforderungen und umweltbewusste Verkehrskonzepte immer mehr in den Fokus der Logistik. Er sieht im Kombinierten Verkehr allerdings nicht nur eine mögliche Antwort auf das sektorale Fahrverbot: ”Der Kombinierte Verkehr ist vielmehr auch integrierter Bestandteil des übergreifenden Themas Green Logistics und erklärtes Element unserer Interaktionen. Denn um die alternativen Verkehrsträger Binnenschiff und Bahn attraktiver zu gestalten, müssen wichtige Verkehrsknotenpunkte zuverlässig miteinander verbunden werden.”
Einig waren sich die Teilnehmer des Logistikdialogs, dass Verlader, Transporteure, KV-Anbieter und Alpenländer noch besser kommunizieren und kooperieren müssen. Bei Auftreten betrieblicher Probleme im Eisenbahnbereich gibt es eine mit den zuständigen Stellen abgestimmte Vorgehensweise, wie situationsbezogen vorzugehen ist. Bei Problemstellungen im Einzelfall erfolgen Abklärungen mit den zuständigen Fachabteilungen und Dienststellen der Bahn, um Lösungen zu suchen. In besonderen Fällen sieht das Gesetz unter bestimmten, allerdings sehr einschränkenden Voraussetzungen auch die Möglichkeit von Ausnahmegenehmigungen vor. Im Falle der Erteilung einer Ausnahmegenehmigung müssen Lkw mit einer IG-L-Tafel gekennzeichnet sein. Die Regensburger Veranstaltung war für viele daher ein gelungenes Forum, um den Informationsfluss und das Verständnis unter den Beteiligten zu verbessern.
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